Fliesen­lexikon

Alles was Sie um die Fliese wissen müssen:

Abdichtung

Um den Boden und die Wand vor Feuchtigkeit zu schützen wird zwischen Fliese und dem Untergrund eine Abdichtung verwendet.

Abriebgruppen

Die Abriebgruppen zeigen die Beständigkeit gegenüber dem Abrieb einer glasierten Oberfläche, diese werden auch Verschließgruppe genannt. Geprüft wird die Beständigkeit der Glasur mittels Schleif- und Sandstrahlprüfung durch den Hersteller. Extremer Beanspruchung hält am besten unglasiertes, durchgefärbtes Feinsteinzeug stand.

Aus der Beständigkeitsprüfung ergeben sich fünf Abriebgruppen, wobei I die geringste Beständigkeit und V die höchste darstellt. Hier eine kurze Übersicht:

I.: „sehr leichte Beanspruchung“ Barfuß-/Hausschuhbereich in Sanitär- und Schlafräumen

II.: „leichte Beanspruchung“ Räume mit geringer Begehungsfrequenz im privaten Wohnbau unter geringer kratzender Verschmutzung mit normalem Schuhwerk

III.: „mittlere Beanspruchung“ bei mittlerer Begehungsfrequenz unter kratzender Verschmutzung mit normalem Schuhwerk, im privaten Wohnbau als auch im Nichtwohnbau mit vergleichbarer Beanspruchung z.B. Hotelzimmer

IV.: „stärkere Beanspruchung“ bei starker Begehungsfrequenz mit normalem Schuhwerk und intensiver Beanspruchung wie z.B. Eingangsbereich, Terrassen, Küchen …

V.: „starke Beanspruchung“ für Anwendungsbereiche mit sehr starkem Publikumsverkehr wie z.B. Friseursalons, Bäckereien, Eingangshallen, Restaurants …

Bestellmenge

Je nach Format und Verlegemuster kann die Bestellmenge variieren. Wichtig ist zu beachten, dass meistens nicht alle Fliesen fehlerfrei sind, 5% dürfen laut Norm sogar fehlerhaft sein. Die Fliesen müssen meist geschnitten und gebohrt werden, wobei mit Verschnitt zu rechnen ist. Es empfiehlt sich auch ein paar Fliesen als Reserve aufzuheben. Als Faustregel empfehlen wir 15-20% mehr Fliesen zu bestellen als zu verlegende m².

Biegefestigkeit

Bezeichnet die maximal mögliche Biegung einer Fliese. Durch Druck auf die Oberseite entstehen dort Bieg- und auf der Unterseite Zugspannungen. Dieser Wert ist für hohe Punktlasten relevant. Besonders wichtig ist hierbei auch eine vollflächige Verklebung.

Bordüre = Listelli

Sind Dekoelemente die oft zum Abschluss, zur Begrenzung oder zur Auflockerung verwendet werden. Traditionell an der Wand verlegt, gibt es sie in unzähligen Farben, Mustern, Formen etc.

Brennbarkeit

Fliesen sind nach DIN 4102 nicht brennbar.

Buttering-/Floating- Verfahren

Ist eine Verlegetechnik, bei welcher der Kleber am Boden/Wand und auf der Fliese aufgetragen wird und so für besonders guten Halt sorgt.

Cotto/ Terracotta

Terracotta bedeutet „gekochte Erde“ und steht für stranggezogene Platten aus der Toskana. Durch den natürlichen rotbraunen Ton verleihen sie rustikalen Charme mit mediterranem Flair. Wichtig: Cotto muss unbedingt nach der Verlegung nachbehandelt werden!

Charge

Beim Herstellungsprozess der Fliese kommt es zu minimalen Farbunterschieden. Um kein uneinheitliches Endprodukt zu erhalten werden sie in Chargen - auch Nuancen genannt – eingeteilt. Werden Fliesen nachbestellt, sollte man unbedingt die gleiche Charge nehmen.

Dehnfuge

… ist eine Fuge zur Unterbrechung von Bauteilen um Schäden durch Spannungen zu verhindern. Diese Spannungen entstehen durch unterschiedliche Bewegungen oder Dehnungen der Bauteile. Durch die Fuge können sich die einzelnen Teile unabhängig voneinander bewegen und Risse etc. verhindern.

Dekore

Dekore gibt es passend zu vielen verschiedenen Fliesen. Es gibt sie in allen möglichen Farben, Mustern und Formen und lassen viel Raum für Selbstverwirklichung.

Dichtband/-ecken/-manschetten

Neben der normalen Abdichtung werden für kritische Stellen wie Kanten, Ecken oder Löcher Dichtbänder, -ecken, - manschetten verwendet. Sie werden in die Spachtelmasse eingelegt und nochmals überspachtelt, um die kritischen Stellen sicher abzudichten.

Dickbett- und Dünnbettverlegung

Beim Dickbettverfahren nach DIN 18352 wird in ein Mörtelbett aus Sand und Zement die Wand- bzw. Bodenfliese direkt eingesetzt, wobei ein vorheriges Ausgleichen nicht notwendig ist. Bei dem heute üblichen Dünnbettverfahren muss der Boden zuerst ausgeglichen werden, um dann mit Floating, Buttering oder Floating&Butteringverfahren die Fliesen zu legen.

Druckbelastung

Dadurch wird angegeben wie groß die maximal mögliche Spannung ist, bevor die Fliese bricht oder Risse entstehen. Bei Fliesen wird ausschließlich der Druck auf der Oberseite gemessen. Dadurch kommt es auf der Oberseite zu Druck- und auf der Unterseite zu Zugspannungen. Um den Bruch oder die Rissbildung möglichst zu vermeiden ist eine vollflächige Kleber- oder Mörtelbettung unumgänglich.

Durchgefärbt

Durchgefärbt bedeutet, dass die Farbe nicht nur auf der Oberfläche aufgetragen ist, sondern die gesamte Fliese komplett eingefärbt ist. Beschädigungen oder ein hoher Abrieb durch besonders starke Frequenz fallen hier nicht auf.

Einsatzbereich

Fliesen sind so vielseitig einsetzbar wie kaum ein anderes Material. Von den klassischen Einsatzbereichen wie an Boden und Wand, hin zu Terrassenplatten, im Großformat als Hausfassaden, als Arbeitsoberflächen in Küche sowie im Badezimmer oder diverse Dekoelemente bis hin zu Möbelstücken wie Tische können Fliesen in jedem Lebensbereich eingesetzt werden.

Elektrische Leitfähigkeit

…haben speziell glasierte Fliesen und sind daher besonders resistent gegen elektrostatische Aufladungen und daher besonders gut für Räume mit sensiblen Geräten wie OP-Säle geeignet.

Entkopplungsmatten

Eignen sich besonders gut für eine schnelle Bodensanierung, da der Altbelag nicht entfernt werden muss. Die Matte wird nur verlegt und nicht verklebt und entkoppelt dadurch.

Estrich

Ist der Untergrund über der Rohbaukonstruktion auf welchen die Fliesen geklebt werden können. Estrich kann sehr lange Trockenphasen haben, die unbedingt beachtet werden müssen.

Feinsteinzeug

Feinsteinzeug hat einen hohen Anteil an Feldspat und Flussspat und wird im Trockenpressverfahren bei 1200-1300 °C gebrannt. Feinsteinzeug ist sehr hart und hat eine Wasseraufnahme von unter 1% und ist dadurch besonders beständig. Es kann Innen und Außen verlegt werden und wird primär als Bodenbelag genutzt. Wichtig: Wegen der geringen Wasseraufnahmefähigkeit ist bei der Verlegung unbedingt ein Fliesenkleber zu verwenden!

Flex-Kleber

Wird empfohlen bei Bereichen mit Fußbodenheizungen oder Böden, wo Bewegungen zu erwarten sind, da er „flexibler“ ist als der herkömmliche Fliesenkleber.

Formteile

Ist die Bezeichnung für bestimmt geformte Keramik, wie zB. Ecken einer Schwimmbadumrandung, Stufen, Sockelleisten etc.

Frostbeständigkeit

Eine Fliese ist nach ISO 10545-12 (Stand 2019) dann frostbeständig, wenn sie mind. 100 Frost- und Tauwechsel aushält. Dies ist eine Grundvoraussetzung, um eine Fliese auch im Außenbereich verlegen zu können.

Fugen

Die Fugenmasse und die notwendige Breite der Fuge werden durch verschiedene Faktoren bestimmt. Neben dem Einsatzbereich spielt hier auch die Optik eine wichtige Rolle. Die Fuge gleicht zum Beispiel Maßungenauigkeiten der Fliese aus, kann als Dehnfuge der Entkoppelung dienen oder als Silikonfuge den Eintritt von Wasser verhindern.

Glasur

Die Glasur wird auf dem Scherben ca. 0,1mm dick aufgetragen. Primär dient sie der farblichen Gestaltung, ist aber auch gleichzeitig Schutzschicht.

Haarrisse

Sind feine Risse in der Glasur, welche manchmal sogar gewünscht sind.

Herstellermaß – Nennmaß

Das Herstellermaß ist das tatsächliche Maß, wie zB. 590mm (590x590)

Das Nennmaß ist die Vereinheitlichung wie zB . eine 60er Fliese (60x60)

Siehe auch „Kaliber“

Hygiene

Keramische Fliesen sind durch ihre geschlossene Oberfläche der ideale Belag für Allergiker. Bakterien oder dergleichen können nicht eindringen und sich nicht ansiedeln.

Kaliber

Das Kaliber ist das Werkmaß einer Fliese und entspricht der tatsächlichen Größe. Dem gegenüber steht das Nennmaß, dass in der Regel angegeben wird. Es kann durch den Produktionsprozess zu kleinen Schwankungen in der Größe kommen, welche allerdings in der Norm sind. Das Kaliber hängt daher immer mit der Charge zusammen. Das Kaliber wäre zB. 198 mm bei einem Nennmaß von 20 cm.

Klinker

Klinker zählen zur Grobkeramik und werden im Strangpressverfahren geformt. Sie haben neben dem rot- oder weißbrennenden Ton einen hohen Feldspat- und Schamottenanteil. Um Verformungen zu verhindern werden diese Platten oft als Spaltklinker geformt und erst nach dem Brand getrennt. Klinker sind besonders wasserabweisend - dadurch frostfest und langlebig.

Lebensdauer

Ein großer Vorteil der Fliese ist ihre lange Lebensdauer was indirekt zur Schonung der Umwelt beiträgt. Die Lebensdauer variiert nach Qualität und Strapazierung des Materials.

Mosaik

Ein Mosaik besteht aus vielen kleinen Elementen und kann aus Glas, Keramik, Metall etc. bestehen. Mosaike sind sehr vielseitig einsetzbar, ob an Wand, Boden oder wegen ihrer kleinen Größe an geschwungen Oberflächen. Sie können auch äußerst strapazierfähig sein und werden oft in Schwimmbecken, U-Bahnstationen oder anderen öffentlichen Bereichen verwendet. Um die Mosaiksteine besser verlegen zu können, sind sie etwa auf Netz oder Papier geklebt.

Normen

Die wichtigste Norm in Österreich ist: DIN EN 14411 (Stand 2019). Sie enthält Definitionen, Klassifizierung, Eigenschaften, Konformitätsbewertung und Kennzeichnung für keramische Fliesen und Platten. Sind diese Eigenschaften nicht erfüllt ist die Fliese mangelhaft.

Reinigung

Es muss die regelmäßige Reinigung von der Erstreinigung unterschieden werden. Die Erstreinigung dient der Entfernung des Bauschmutzes und des Zementschleiers, der durch das Verfugen auf die Fliesen gelangt. Hierfür gibt es spezielle Zementschleierentferner, welche allerdings auch die Fugen angreifen können. Diese sollten davor daher unbedingt mit Nässe geschützt und anschließend ausgespült werden. Für die regelmäßige Reinigung genügt feuchtes Abwischen mit Wasser oder eventuell einem neutralen Reiniger. Pflegemittel sollten vermieden werden, da sie nicht einziehen, sondern einen Film auf der Fliese bilden und somit die Optik und Haptik stören können. Zur Reinigung sollten auch möglichst keine scheuernden Gegenstände (Metallwolle) verwendet werden, da vor allem bei glänzenden Fliesen die Oberfläche angegriffen werden kann.

Rektifiziert

Bei rektifizierten Fliesen wurden die Kanten zum Schluss der Produktion geschnitten, dadurch ist das Maß einheitlicher und die Kante schärfer, wodurch es möglich ist rektifizierte Fliesen/Platten mit kleinen Fugen wie 2mm zu verlegen.

Reserve

Es empfiehlt sich wie unter Bestellmenge schon erwähnt 15%-20% mehr zu bestellen.

Steingut, Steinzeug, Feinsteinzeug

In der Keramik unterscheidet man die Grobkeramik, wie Spaltplatten und Klinker, von der Feinkeramik, wie Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug.

Steingut ist durch seine relativ großen Poren wasseraufnahmefähiger und dadurch nicht frostsicher. Ist allerdings auch relativ weich und lässt sich wesentlich leichter bearbeiten, ist dadurch aber nicht so belastbar. Steingut wird aus diesen Gründen vorzugsweise im Innenbereich an der Wand verwendet.

Steinzeug ist weniger wasseraufnahmefähig als Steingut und kann daher frostsicher sein. Es ist durch seine feineren Poren widerstandsfähiger und wird daher an Wand und Boden verwendet, ist aber auch schwerer zu bearbeiten.

Feinsteinzeug hat die feinsten Poren und somit die geringste Wasseraufnahmefähigkeit und höchste Widerstandskraft. Es kann sowohl im Innen- als auch im Außenbereich, am Boden und an der Wand verlegt werden, ist allerdings schwerer zu bearbeiten.

Stranggepresst

Stranggepresste Platten werden in einem Endlosstrang durch eine Form gepresst und darauf abgeschnitten. Spaltplatten und auch viele Formteile werden so hergestellt.

Trittsicherheit

Die Trittsicherheit nach R-Werten wird durch beschuhtes Begehen einer schiefen Ebene getestet und in R9-R13 eingeteilt. Grob gesagt eignet sich:

R9 für Eingangsbereiche, div. Verkaufsräume, … R10 für Sanitäre Räume, Umkleideräume, … R11 für Garagen, Gehwege im Freien, … R12 für Spülräume, Großküchen, … R13 für Schlachthäuser, div. Industrien, …

Die Trittsicherheit für den Barfußbereich wird in A, B und C eingeteilt. Getestet werden die Werte auf einer schiefen Ebene die mit einem Mittel benetzt wurde und Barfuß begangen wird. Grob gesagt eignet sich A für Barfußgänge oder Saunen, B für Duschräume, Beckenumgänge oder Planschbecken und C für ins Wasser führende Treppen, Durchschreitbecken etc.

IdR. gilt: je höhe die Trittsicherheit, desto schwieriger die Reinigung.

Verdrängung (V)

V4, V8, V6, V10 gibt den Verdrängungsraum einer Fliese an, wobei V4 4 cm³, V6 6cm³ usw. pro dm² verdrängt. Dies ist insbesondere in gewerblichen Bereichen wie Küchen oder Schlachthäusern erforderlich, damit die Trittsicherheit auch gewährleistet wird, wenn etwas auf den Boden fällt oder Flüssigkeit abrinnen muss. Der Verdrängungsraum entsteht durch Noppen, Rillen etc.

Verlegung im System

Es sollen nicht Produkte unterschiedlicher Hersteller gemischt werden, auch wenn das eventuell billiger erscheint, kann es zu einer erheblichen Qualitätsminderung kommen.

Versiegelung (keramisch)

Ist zum Schutz der Fliese da. Es wird eine Art Schutzfilm auf der Oberseite aufgetragen, welcher die Oberfläche verschließt. Hier darf keine Imprägnierung mehr stattfinden, da sie nicht mehr eindringen kann.

Zweite Sorte

Das sind Fliesen, die in Optik oder Qualität abweichen. Diese werden auch so ausgeschrieben und werden preiswert verkauft. Oft handelt es sich um geringfügige Mängel. Es sollte trotzdem unbedingt nachgefragt werden, worin der Mangel liegt!